Heute ist die große Nacht. Vollmond.

In aller Frühe war ich heute unterwegs. Bestimmte Kräuter und Pilze, die ich für den Trank brauche, sammelt man am besten vor Sonnenaufgang.

Der Nebel lag wie ein Schleier über der Insel, durchzog den Wald, als wollte er Dinge verstecken, die lieber unerkannt blieben vor neugierigen Blicken. Also die Meinen, denn sonst ist ja keiner auf dieser Insel.

Ich war so froh, die Insel nach so langer Zeit, wirklich gut zu kennen und  mich somit, obwohl ich die Hände vor Augen kaum sah, in dem großen Wald zurechtfand, an Ästen und Bäumen, Felsvorsprüngen und Büschen erkannte, wo ich war und wo ich hin musste. Und trotzdem fühlte ich mich heute verloren und verfolgt. Die Spannung auf der Insel war förmlich spürbar. Als läge Elektrizität in der Luft.

Es muss daran liegen, dass die Wesen heute so aktiv wie sonst selten sind, denn auch für sie ist es eine wichtige Nacht. Eine, in der die Seelenlosen kommunizieren können, untereinander, aber auch mit mir. Etwas, dass Ihnen nur zweimal im Jahr möglich ist, die restliche Zeit sind sie dazu verflucht, einsam über die Insel zu wandeln. Sie bereiten sich, genauso wie ich, darauf vor.

Ich spüre, wie die Aufregung in mir steigt, Vorfreude, aber auch Angst spielen ein Rolle. Denn man kann nie genau sagen, wie so eine Nacht läuft. Wer wird mich aufsuchen und was werden sie wollen, werde ich Antworten auf meine Fragen bekommen?

Die nächsten Stunden werde ich mit Vorbereitungen beschäftigt sein. Mich reinigen, meinen Geist frei machen, damit ich in der Nacht alles aufnehme, was mir gesandt wird. Vorkehrungen treffen. Gewappnet sein für alle Eventualitäten.