Was ich die letzte Nacht erfahren habe, lässt sich für mich schwer in Worte fassen. Ich habe Dinge gesehen von solcher Grausamkeit, und Dinge aus der Zukunft erfahren, die mir wirklich Angst machen. Das Orakel von Andsforladt hat mir schon einmal den Einblick gewährt, doch diesmal hat sich einiges verändert. Vor Monaten war alles so Wage. Ich habe sie sehen können, klar und deutlich vor mir und deshalb wusste ich sofort auf der Beerdigung, dass sie die eine war. Doch was ich diese Nacht erblicken musste, zeigte einen ganz anderen Blick auf die Zukunft dieser Insel. Und ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon glauben soll. Aber ich fange am besten von vorne an.

Gestern Abend in der Dämmerung ging ich hinunter zu meiner Stelle am See. Der Mond stand in seiner vollen Pracht direkt über dem Wasser, doch im See selber war keine Spiegelung von ihm zu sehen. Ich endzündete nacheinander die Kerzen, die ich vorher in einem Kreis aufgestellt hatte. Dabei rief ich die Elemente zur Hilfe, mich auf meiner Reise zu begleiten. Als erstes gesellte sich eine Waldelfe, kaum zu erkennen in ihrem Blätterkleid, nicht größer als ein Busch von fünfzig Zentimeter Höhe, zu mir. Aus dem Grün starten mich zwei weiße Augen an. Dann eine Sylphe, die dem Element  Luft zugeordnet ist, wunderschön, doch seelenlos und mit Vorsicht zu genießen. Einer Flamme entsprang ein Feuergeist, der sich auf dem Boden wie eine riesige, in Flammen stehende Boa schlängelte. Ich konnte bei jedem der ankommenden Elemente spüren, wie mich ihre Macht umgab. Konnte den Wind auf meiner Haut spüren, die würzige, feuchte Erde noch deutlicher  riechen und die Hitze des Feuers, brennend auf meinen nackten Armen fühlen. Zuletzt entstieg dem See ein Wassergeist, schwarz wie die Nacht, die Figur eine vollgeformte Frau, aber sie schien aus einer Art flüssigem Teer zu bestehen, dass durch eine magische „Bindung“ gehalten wurde. Man hatte das Gefühl, dass ihre Haut in ständiger Bewegung war. Ihre Augen waren Blutrot und ich spürte Unbehagen als sie auf den Kreis zukam. Auf meiner Haut breiteten sich schwarze Tropfen aus, kühlten die erhitze Haut und ließen mich frösteln. Nun war der Kreis vollständig. Ich atmete tief durch, dankte den Elementen, setzte mich in die Mitte und nahm den Trank, den ich vorher über Stunden gebraut hatte, setzte das Gefäß an meine Lippen und trank den ersten Schluck. Der Drang, die bittere Flüssigkeit auszuspucken war überwältigend und ich musste mich mehr als zusammenreißen. Schnell versuchte ich den zähen Saft herunterzuschlucken und unterdrückte den Würgereiz. Und das war nur der erste Schluck, weitere vier würden folgen, um auch das letzte Element zu rufen. So konnte ich den Geist vollends öffnen, für das Große und Ganze, Dinge sehen, die allen anderen verborgen blieben. Nach dem zweiten Schluck spürte ich Schwindel, der Dritte verursachte Herzrasen. Nach dem Vierten fuhr mir die Taubheit in meine Gliedern und die damit aufsteigende Angst vor dem was kommen würde. Der fünfte und letzte Schluck brachte mir die Ohnmacht, ich spürte gerade noch den Schmerz beim Aufprall auf den Waldboden. Was dann geschah, kann ich nur in Fetzen wiedergeben. Irgendwann erwachte ich in den Armen von Joseph, der mich zur Hütte trug. Er verarztete meine Wunde am Kopf und kochte mir Tee. Ich spüre immer noch die Übelkeit und versuche immer noch all die Eindrücke zu verarbeiten.